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Verhalten

Lautäußerungen
Zur Orientierung in der Nacht bedarf es hoch entwickelter Sinnesorgane. Fledermäuse benutzen, wie man erst seit ca. 1930 weiß, die Echoortung, und zwar in zwei verschiedenen Techniken:

  • Typisch für die Glattnasen unter den Fledermäusen ist die einfache Echopeilung mittels knatternder Schallstöße, die im Kehlkopf erzeugt und durch die Mundspalte ausgesandt und deren Echos durch die Ohren wieder aufgefangen werden. Aus der zeitlichen Differenz zwischen Ausstoßen des Ultraschallautes und dem Empfang des Echos ermitteln die Tiere die Entfernung des Hindernisses bzw. Fluginsektes, aus der Zeitdifferenz zwischen dem Echoempfang im linken und rechten Ohr die Richtung. Während des Fressens ist so keine Ortung möglich.
  • Typisch für die Hufeisennasen ist eine höher entwickelte Peilung mittels länger anhaltender Ultraschalltöne, die durch die hufeisenförmigen Nasenöffnungen ausgesandt werden – auch bei geschlossenem Mund. Hufeisennasen können die Form der Nasenöffnung verändern und damit den Schallkegel ihrer Rufe an die Entfernung anpassen. Aus der Intensität der Echowellen erkennen sie die Entfernung, mit schon einem ihrer schwenkbaren Ohren die Richtung. Dieses System funktioniert auch beim Fangen und Fressen von Beute.

Aufgrund ihrer hohen Frequenzen kann der Mensch diese Ortungs- und Jagdlaute nur mit sogenannten Detektoren wahrnehmen und aufzeichnen. Von der akustischen Peilung bekommt der Mensch nur etwas mit, wenn deren Frequenz im letzten Moment kurz vor dem Fang plötzlich in den hörbaren Bereich abfällt und in einem kurzen Summton endet. Es kommt allerdings auch vor, daß Fledermäuse in vertrauter Umgebung ohne Echopeilung, also im "akustischen Blindflug" fliegen. Hier vertrauen sie ganz auf ihr Raumgedächtnis.

Andere Töne werden auch vom Menschen wahrgenommen: als Zirpen, Zwitschern, Zetern etc. Sie dienen der Stimmfühlung zwischen Artgenossen – vor allem zwischen Mutter und Kind –, der Partnersuche und Balz oder der Warnung vor Gefahren.

 

Nahrungserwerb
Europäische Fledermäuse ernähren sich in erster Linie von nachtaktiven Fluginsekten, erbeuten aber auch Raupen und am Boden laufende Käfer und andere Bodentiere. An dichtere Vegetation gebundene Fledermäuse jagen niedrig über Waldwegen, Lichtungen und Waldwiesen, Schnellflieger mit langen schmalen Flügeln oberhalb von Baumkronen und über Seen und Teichen. Auch in der Nähe des Menschen finden sich geeignete Reviere: etwa rund um Straßenlaternen, die mit ihrem Licht Nachtinsekten anlocken, und in Gärten. Gefangen werden geortete Insekten auf verschiedene Weisen:

  • Die meisten europäischen Fledermaus-Arten "keschern" ihre Beute mit der Schwanzflughaut, packen sie dann mit den Zähnen und fressen sie schließlich entweder im Flug oder an einem Ruheplatz. Der Vorteil der aufgespannten Schwanzflughaut ist ihre Größe: Ihre Trefferquote ist deutlich größer als die des vergleichsweise kleinen Mauls.
  • Kleine Insekten, die nicht allzu schnell und wendig sind, kann eine Fledermaus auch direkt mit dem Maul fangen. Versucht die Beute zu entkommen, kann sie diese mit den Fingerflughäuten greifen und zum Mund befördern.
  • Auf der Wasseroberfläche oder am Boden laufende Insekten werden zielsicher auch mit den Füßen ergriffen.

Auf der Suche nach jagbaren Insekten rufen Fledermäuse je nach Umgebung zwischen 5x und 20x pro Sekunde. Zwischen Bäumen müssen sie sich durch häufigere Ortungsrufe ein genaueres Lautbild machen als im freien Luftraum über niedriger Vegetation. Ist ein Insekt geortet, wird die Frequenz der Rufe erhöht, damit es trotz eventueller Ausweichmanöver nicht entkommt: Bis zu 200 Rufe in der Sekunde sind bei Annäherung an die Beute für einen kurzen Moment möglich. Kurz vor dem Fang sinkt die Frequenz allerdings plötzlich ab in einen selbst für Menschen noch hörbaren Bereich und wird dann als kurzes Summen wahrgenommen. Die Beute ist jetzt im Kescher – oder entkommen.

 

Fortpflanzung
Nachdem die Jungtiere selbständig geworden sind, findet in der Regel im September die Paarung statt, der aber in unseren Gebieten nicht, wie üblich, sogleich die Entwicklung und Geburt des Embryos folgt. Zunächst findet überhaupt keine Eireifung und Befruchtung statt, der Samen bleibt vielmehr während des Winterschlafs im Weibchen erhalten und befruchtet ein Ei erst, nachdem dieses im April gereift und in den Eileiter gewandert ist. Manchmal kommt es allerdings auch erst im Frühjahr zur Paarung.

 

Da der Zeitpunkt der Befruchtung nur schwer zu ermitteln ist, läßt sich auch die Dauer der Schwangerschaft nicht genau bestimmen: Sie liegt je nach Art bei 8 bis 10 Wochen. Zur Geburt ihres Nachwuchses vereinigen sich die Weibchen in "Wochenstuben", die nur selten von Männchen besucht werden. In der Regel wird nur ein Junges zur Welt gebracht und ca. 6–8 Wochen lang gesäugt. Die Neugeborenen sind zunächst nackt und blind und unfähig, ihre Körpertemperatur zu halten; sie werden deshalb von der Mutter mit einer Flughaut umhüllt und an ihrem Körper gewärmt. Schon nach wenigen Tagen öffnen sich aber die Augen, der Haarflaum beginnt zu wachsen, und die Kleinen hängen sich neben der Mutter mit dem Kopf nach unten auf.

 

In dieser Zeit differenzieren sich die für den Menschen noch hörbaren Stimmfühlungslaute in die so wichtigen und für Menschen unhörbaren Orientierungslaute, mit den sich Mutter und Kind fortan verständigen. Wichtig wird diese Verständigung vor allem auf den ersten gemeinsamen nächtlichen Ausflügen. Die Jungen folgen den Orientierungsrufen ihrer Mütter; sobald sie diese nicht mehr höhren, melden sie sich mit ihren Stimmfühlungslauten, was die Mütter zur Rückkehr und zum Wiederherstellen des Rufkontakts veranlaßt.

 

Wanderungen
Die kalte und "nahrungslose" Jahreszeit überbrücken die meisten Fledermäuse durch einen Winterschlaf, einige wenige Arten ziehen aber wie Zugvögel in den wärmeren Süden. Ihr Zugverhalten ist noch viel weniger erforscht als das der Vögel. Wanderungen bis zu mehreren hundert Kilometern werden aber auch notwendig, wenn geeignete Winterquartiere (natürliche Felshöhlen, alte Bergwerksstollen, unbenutzte Kellerräume) allzu weit von den Sommerquartieren entfernt liegen.